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Orientierungsstufe München-Neuperlach

 

 

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Neue Erfahrungen auf dem Planeten „Ori“
Twelve Years After

Als Lehrerin neu an der Orientierungsstufe

Ich denke gerne an meine Tätigkeit an der Orientierungsstufe zurück!



Neue Erfahrungen auf dem Planeten „Ori“


Wir sind die „Aliens“ der Orientierungsstufe, „Kirm“ und „Scho“ (für diejenigen, die mit dem Begriff Alien nicht vertraut sind: Wir sind Lehrerinnen vom Planeten „Gym“, die für zwei erkrankte Englisch-Kolleginnen eingesprungen sind).

Als wir im Februar den Auftrag erhielten, an der Orientierungsstufe zu unterrichten, überraschte uns dies: Gibt es denn in Bayern eine Orientierungsstufe?

Alles was wir wußten, war, daß dort „irgendwie in Kursen unterrichtet wird“. In Kursen? Wir kannten eigentlich nur Grund- und Leistungskurse aus der gym-nasialen Oberstufe.

Wo waren wir hingeraten?

Die nächste Überraschung wartete beim ersten Blick auf den Stundenplan: Team-Arbeit ist hier Pflicht. Wie bitte? Lehrer/innen, die im Team arbeiten? Bei aller Kollegialität, aber Lehrer/innen sind doch von Natur aus Einzelkämpfer. Nun denn.....

Die erste Teamstunde war tatsächlich verwirrend: Da wurde von A-, B- und C-Kursen sowie von C-Lift-, Stütz- und Förderkursen gesprochen; ganz zu schweigen von „Eignungen“. Ist eine C2 gleich B4 oder A4 oder doch umgekehrt??

Was ist zum Beispiel ein C-Kurs? Darin sitzen Kinder, die im ersten Halbjahr der 5. Klasse schlechte Noten in Englisch hatten und deren Wissen deswegen als Hauptschulniveau eingestuft worden war. Welch ein Jubel, als genau diese Kinder bei der ersten C-Kurs-Schulaufgabe plötzlich bessere Noten, ja sogar Einser, bekamen, weil die Schulaufgabe eben ihrem Können entsprach. Und die mit den ganz guten Noten haben im nächsten Jahr sogar die Chance, in einen B-Kurs aufzusteigen. Toll!

Für Alien „Scho“ war es anfangs gar nicht so einfach, sich auf das C-Kurs-Niveau der 6. Klasse einzustellen.

Für die Ohren der Schüler/innen sprach sie so viel Englisch, daß ihnen die Fremdsprache noch fremder vorkam. Dabei müssen Sie wissen, daß „Scho“ eine frisch gebackene junge Lehrerin ist – der Einsatz auf dem Planeten „Ori“ ist ihr erster nach der Lehrerausbil-dung. Um so mehr freut sie sich, daß hier schülerzen-trierter Unterricht, Partner- und Gruppenarbeit eine Selbstverständlichkeit sind. Endlich kann sie ihre pädagogischen Kenntnisse in die Tat umsetzen, gerade in den C-Kursen.

Wenn wir demnächst den einzigartigen Planeten „Ori“ verlassen, werden wir viele neue, positive Erfahrungen mitnehmen. Die zwei wichtigsten sind wohl die Zusammenarbeit im Team und die differenzierte Förderung der Kinder in unserem Fach Englisch. Und wir fühlen uns im Kreise dieses herzlichen Kollegiums gar nicht mehr als „Aliens“.





Jutta Kirmayer



Katrin Scholz








Twelve Years After




Als ich nach 12 Jahren Kinderpause wieder an der Orientierungsstufe einsteigen konnte – der Schule, an der ich seit ihrer Gründung 1973 tätig gewesen war, war ich erfreut und gespannt, ob sich etwas, und wenn ja, was sich in dieser langen Zeit verändert haben würde.

Mein erster Eindruck beim Betreten des Schulhauses war: „Boah – wie sieht’s denn hier aus! So schäbig ....“. Tja, mehr als ein Jahrzehnt hat der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt, das seine Betonschönheit durch die sparsame Verzierung durch farbige Flächen ohnehin nur mühsam ins rechte Licht setzen kann. Dafür sind die Bäume und Sträucher außen herum ganz schön groß geworden (warum nur zieht es nicht mehr Schülerinnen und Schüler in den großen Pausen raus ins Grüne und an die frische Luft???). Reparaturen und Renovierungen an den Treppenstufen, den Wänden fallen wohl den notwendigen Sparmaßnahmen ebenso zum Opfer wie die früher übliche alljährliche Wiederinstandsetzung der Klassenräume. Wie schön war es doch, zu Beginn eines Schuljahres ein frisch geweißeltes Klassenzimmer zu betreten.

Der Zahn der Zeit ist aber auch weder an mir selbst noch an den Kolleginnen und Kollegen spurlos vorübergegangen. „Du hast dich ja überhaupt nicht verändert“ sagen sie und denken insgeheim (genau so wie ich): „Oh Gott, ist die alt geworden! Ich hätt’ sie fast nicht mehr erkannt!“ Nun ja, schließlich kommen jetzt ehemalige Schülerinnen und Schüler unserer ersten Jahrgänge als Eltern zur Einschreibung ihrer Kinder an die Orientierungsstufe!

Drei nützliche Neuerungen dürfen nicht unerwähnt bleiben: Die Hausaufgabenbetreuung, die seit 13 Jahren an der Schule angeboten wird; die beaufsichtigte Nacharbeit am Freitag gleich nach Unterrichtsschluß; und vor allem das Tagesheim, das in dieser Form und an diesem Ort unschätzbare Möglichkeiten der engen Zusammenarbeit mit den äußerst engagierten Mitarbei-ter/innen bietet und eine segensreiche Einrichtung für viele unserer Kinder darstellt.



Die auffälligste und folgenschwerste Veränderung ist jedoch die Vergrößerung der Schule und insbesondere der Klassenstärken und die damit verbundene größere Unruhe. Waren es 1985 noch 20 Klassen mit 613 Kindern und 51 Lehrkräften, so sind es jetzt 24 Klassen mit fast 740 Kindern und 61 Lehrerinnen und Lehrern. Die Sparmaßnahmen zwangen zur Aufstockung der Klassenstärken auf 30 – 32 Schüler/ innen – und das macht sich am Nervenkostüm bemerkbar. Es ist so viel leichter, kleine Klassen mit 26 bis höchstens 28 Schülern/innen, wie es damals üblich war, zu unterrichten. Nur 1 – 2 Unruhestifter in einer großen Klasse, und das erleichterte Aufseufzen am Freitagmittag ist bis zum Finanzminister zu hören (dem das jedoch herzlich egal sein dürfte).

Nur der Mittelpunkt unserer Schule, die uns anvertrauten Kinder, haben sich nicht sehr verändert, finde ich (die Eltern schon eher – sie sind anspruchsvoller und kritischer geworden; die Elternbeiräte und -sprecher sind aber noch genau so engagiert und interessiert wie eh und je!). Das Benehmen der Kinder ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als damals. Die rücksichtslosen Drängler, die Alles-Niederwalzenden, die Verbalangreifer gibt es immer noch (nur die Art der Schimpfwörter unterliegen stetiger Veränderung). Da sind immer noch die leeren Augen vieler Kinder, die von großen Problemen zeugen, Kinder, denen man helfen möchte, und bei denen man immer wieder an die eigenen Grenzen stößt. Es gibt sie noch, die ewigen Störenfriede und die Schüchternen, die Eifrigen und die Übereifrigen, die aufmerksamen Stillen und die, die immer wieder wegdriften. Da sind die Wohlerzogenen, Höflichen (eher in der Minderzahl), die Strahlenden, die mit dem offenen Blick und die, die einen nicht anschauen können, die Fröhlichen mit ihrer ansteckenden Heiterkeit (ansteckend, sofern man nicht selbst gerade am Rande seiner Kräfte ist), die zuverlässigen Fleißigen und die Luftikusse – all die Kinder, derentwegen wir diesen Beruf ergriffen haben!



Astrid Zott, im Mai 1998 Lehrerin



Als Lehrerin neu an der Orientierungsstufe




Als ich nach meinem Examen im Jahr 1988 bei der Stadt München anfing, sollte ich zunächst an die Orientierungsstufe kommen. Statt dessen wurde ich dann aber für ein Jahr in der Erwachsenenbildung eingesetzt. Dieses Jahr war durchaus interessant, da es aber die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist, die mir am Herzen liegt, freute ich mich sehr, als ich 1989 an das Louise-Schroeder-Gymnasium kam. Dort unterrichtete ich Deutsch und Englisch in allen Jahrgangsstufen, wobei mir die Arbeit mit den „Großen“ – also im Grund-und Leistungskurs – und mit der 5. und 6. Klasse gleichermaßen Spaß machte. Während die Arbeit in der Oberstufe stofflich eine größere Herausforderung darstellt, ist man in der Unterstufe pädagogisch wesentlich stärker gefordert, wie mir gerade auch meine Jahre als Verbindungslehrerin der Unter- und Mittelstufe verdeutlichten.

Als sich nun letztes Jahr die Gelegenheit bot, an die Orientierungsstufe zu gehen, griff ich begeistert zu, denn ich konnte mich noch gut an mein Gespräch mit Frau Taubenberger erinnern, die mir damals die idee der „Ori“ so engagiert und überzeugend nahegebracht hatte. Natürlich mischten sich in meine Begeisterung auch etwas Wehmut ob des Abschieds von einem vertrauten Kollegium, das mir sehr ans Herz gewachsen war, und Spannung auf die neuen Kollegen. Bereits nach kurzer Zeit hatte ich den Eindruck, daß man im Kollegium offen, freundlich und hilfsbereit miteinander umgeht und eine positive Atmosphäre herrscht, was ich durchaus dem System der Teamarbeit zuschreibe.

An der „Ori“ war Teamarbeit der Lehrer von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil, während andere Schulen erst jetzt und zum Teil wohl auch zögerlich beginnen, in Teams zu arbeiten. Teamarbeit an der „Ori“ geht dabei über das an anderen Schulen gepflegte Maß weit hinaus, da hier alle Klassen – um eine Vergleichbarkeit der Leistungen zu gewährleisten – dieselben Schulaufgaben und zum Teil auch Stegreifaufgaben schreiben. Im Team wird sowohl die Schulaufgabe als auch deren Korrektur diskutiert und festgelegt. Das war für mich, die ich es über alle Jahre gewohnt war, in dieser Hinsicht alleine zu entscheiden, etwas völlig Neues. Dabei verlagert sich das Arbeitspensum des Lehrers. Zwar muß man nicht mehr jede Schulaufgabe selbst erstellen, doch nimmt diese Form der Korrektur wesentlich mehr Zeit in Anspruch.

Was die „Ori“ ebenfalls von anderen Schulen abhebt, ist die Einteilung der Schüler in Leistungsgruppen, wie sie nach dem ersten Halbjahr erfolgt. Dies ist an einem Gymnasium nicht der Fall, da ja dort eigentlich alle Schüler dem A-Kurs entsprechen sollten. Es gibt aber durchaus Kinder, die etwas länger brauchen, bis sie wirklich zeigen können, was in ihnen steckt. Gerade für diese Kinder bietet die „Ori“ mit ihrem System der lei-stungsdifferenzierten Kurse in Englisch und Mathematik die Chance, sich ihrem Vermögen entsprechend zu entwickeln.



Der Aspekt, der für mich persönlich die Arbeit an der „Ori“ interessant macht, ist, daß das Pädagogische einen so hohen Stellenwert hat. Wie überrascht war ich über die Klassenkonferenzen! Hier wurden nicht nur die Noten der Schüler besprochen, sondern der Schüler stand mit seiner individuellen Biographie und seinem häuslichen Umfeld als Mensch im Mittelpunkt. Die Klassenleitungen – und nicht nur diese – waren dabei ausgesprochen gut über die Schüler informiert. Auch am Gymnasium hatte ich überaus engagierte Kollegen, die sich sehr viele Gedanken über ihre Schüler machen. Die Zielsetzung am Gymnasium ist aber doch eine andere, und auf die individuellen Schwierigkeiten und Probleme der Schüler kann nicht in solch einem Umfang eingegangen werden, wie es an der „Ori“ der Fall ist. Die „Ori“ ist bestrebt, eine humane Schule zu sein, in der der Schüler im Mittelpunkt steht.



Carmen Kosak, im Mai 1998 Lehrerin








Ich denke gerne an meine Tätigkeit an der Orientierungsstufe zurück!




Ich fahre zu „meiner“ neuen Schule. Daß sie vor rund 15 Jahren gebaut wurde, weiß ich. Dann stehe ich davor: grauer Beton ragt in den Himmel. Innen surrt leise eine Klimaanlage. „Kann ich hier unterrichten, leben?“ Ich bin skeptisch. Riesige bunte Bilder in den Fluren und große Blumenecken mit tropischen Gewächsen lockern das Grau des Betons auf, doch das kalte Neonlicht läßt die leeren Flure und Treppen fast unwirklich erscheinen.

Im Rektorat und später im Lehrerzimmer das absolute „Kontrastprogramm“. An den bisherigen Schulen war ich für die meisten Kollegen die Aushilfslehrerin, die Arbeit abnahm, und damit genug. Doch hier werde ich persönlich begrüßt, man fragt nach meinen individuellen Wünschen, Bedürfnissen, hilft mir beim Einarbeiten, fragt immer wieder – auch noch nach sechs Wochen – wie ich zurecht komme.



Am nächsten Morgen beginnt der „erste Schultag“: wie üblich, neugierige Blicke der Schüler; doch hier ist man ganz unverhohlen neugierig. „Woher kommen Sie? Wie lange bleiben Sie? Warum machen Sie Aushilfslehrerin? Macht das Spaß?“ usw.. Soviel Anteilnahme gleich zu Beginn bin ich nicht gewöhnt. Ich bin erstaunt und das wirkt sich positiv auf den Unterricht aus. Da die Mathematik-Gruppen klein sind, kann ich mich viel um die Probleme der einzelnen Schüler kümmern. Diese Art der Arbeit ist ihnen offensichtlich vertraut. Sie fragen viel und sehr unbekümmert. Ich merke, daß sie sich in dieser Schule aufgenommen fühlen, nicht nur „belehrt“.

Die Erfahrung, die mich an dieser Schule am meisten beeindruckt hat, ist, daß die Schüler sich als Person angenommen und in diesem kühl anmutenden Beton-bau von viel menschlicher Wärme umgeben fühlen.



Gerlinde Kuhla, 05.06.1989, Aushilfslehrkraft

 

Die Seite des Freundeskreises der Orientierungsstufe München-Neuperlach e.V.

 

Zuletzt geändert: 18.02.2001